Alles bloß nur Ansichtssache? Nein! Ehrensache!

Einen typischen Alltag eines Bestatters zu beschreiben wäre eine Wissenschaft.

Aber, wenn ich mir etwas wünschen könnte, so würde ich mich freuen, neue Kunden nach meinem ersten gemeinsamen Kaffee im Büro überzeugt zu haben. Es ist in diesem Fall kein typisches Beratungsgespräch so wie man es sich vielleicht vorstellen mag. Es ist vielmehr ein reger Austausch, beinahe freundschaftlich.



Das Gespräch wird dauern, Zeit spielt so und so keine Rolle mehr, da die Angehörige im Moment viel mehr von mir in die richtige Richtung gewiesen werden möchten, als dem Minutenzeiger zu folgen. Denn, wenn jemand schnell in die falsche Richtung rennt, so ist er bloß nur schneller am falschen Ziel.


Und so neigt sich das Gespräch langsam, aber sicher dem Ende zu und den Menschen die an unserem MEMORIA-Büro vorbeigehen kann man an den fragenden Blicken ablesen: strahlende und glückliche Gesichter bei einem Bestatter? Hä?


Keine Sorge! In diesem Fall ist auch nicht die Erbtante verstorben. Es ist der Papa von Frau M., welcher trotz brav angesammelter Lebensjahre laut Frau M. doch noch ein wenig bei ihr hätte bleiben können. Und so verabschiede ich Frau M. und fliege noch einmal über meine Notizen, bevor ich mich an die Vorbereitung für die Abholung mache.


Herr S. soll ins Krematorium zur Einäscherung gebracht werden. Eine schlichte Fichte reicht hier vollkommen aus, waren Frau M. und ich uns einig.


Im Spital in Wien 6 stehe ich nun vor Herrn S. und wir sind nicht alleine. Denn auch mein neuer Mitarbeiter Nico möchte heute aus freiem Willen zum ersten Mal einen Verstorbenen mit mir einkleiden.


Nico kommt in diesem Fall gleich mit kleinen offenen Wunden und einer vollen Windel visuell in Kontakt. Nico wirft mir einen unglaubwürdigen Blick zu, ich jedoch freue mich, dass ich nun beweisen kann, wie ernst ich meinen Beruf und den vor mir liegenden Menschen nehme.


Auch wenn die Mitarbeiter aus dem Spital und der zufällig vor Ort anwesende Totenbeschauarzt überrascht waren, natürlich machten wir trotzdem Herr S., der zur Einäscherung gebracht werden sollte, sauber.


Am Sarg standen nämlich die Daten von Herr S. und wohin er gebracht werden sollte und so meinten die Anwesenden, dass meine Mühe und Arbeit umsonst wären.

Ungläubig und schmunzelnd werde ich gefragt, für wen ich dies mit einem solchen Engagement hier wohl machte.


Kennt ihr den Spruch: Ich möchte mich in den Spiegel sehen können?


Nein, nicht deshalb krempelte ich die Ärmel auf und tat was mir Spaß machte. Sondern weil Herr S. ein Mensch ist, ein geliebter Vater, dessen Tochter ihn mir anvertraute, weil ich meine Berufung gefunden habe und nichts dem Zufall überlassen möchte.


Ist dies bloß nur Ansichtssache?

Nein!

Es ist schlicht und ergreifend Ehrensache!


Zum Schluss verrate ich euch noch eines: Solche Tage gibt es wirklich und sie kommen auch oft genug vor. Ich würde diesen Beruf nicht ausüben, wenn ich nicht eine so große Erfüllung in diesem fände!



Herzlichst,

Eure Bestattung MEMORIA


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